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survival of the fittest

Wednesday, July 18th, 2007

So langsam wird es Zeit, meinen mittäglichen Hauptnahrungslieferanten, den SV-Service wieder kritischer unter die Lupe zu nehmen. Schon zu Zeiten meines Blogs v1.0 konnte ich mich über ausgefallene SV Menues wie z.B. das legendägre Springbockragout echauffieren. Leider oder zum Glück (je nach Sichtweise) ist dieses Dokument bereits dem digitalen Nirvana übergeben worden. Nichtsdestotrotz möchte ich die begonnene Tradition fortsetzen und wieder regelmässig Zeugnis ablegen über den alltäglichen Wahnsinn in der gehassliebten Gloriabar, meiner einzigen Nahrungsquelle in vernünftiger Distanz.

Wer mich ein bisschen kennt, weiss dass ich prinzipiell alles esse, was paniert, fritiert oder möglichst paniert und fritiert ist. Diesbezüglich liebe ich ich die Gloriabar. Regelmässig verstehen sie es, ungeniessbare unansehliche Speisen mit dieser Sonderbehandlung zu was schmackhaftem zu transformieren. Ein Umweltwissenschaftler würde da sofort von Nachhaltigkeit sprechen, da ja das Rohmaterial ansonsten weggeschmissen werden müsste (und auch weil Nachhaltigkeit ein so schön trendiges Wort ist, vor allem auf English).
Es gibt für mich jedoch Grenzen der Panierbarkeit, z.B. paniertes Antibiotika. Dies tritt meistens in Form von Fischerzeugnissen aus fernöstlicher Zucht auf. Wenn ich mich krank fühle, kann ich mein Antibiotika im McDo geniessen. Vom Mittagessen ( Stichwort “Fit at work” ) erwarte ich da unbehandelte und doch gesunde Kost. Wenigstens wird beim SV Service mittlerweile deklariert, woher die Erzeugnisse kommen und ob sie “möglicherweise” hormonell gedopt wurden.

Ok, exotische Zuchtfische kommen also nicht in Frage. Bleibt immer noch der Wildfang, welcher ja per definitionem schon natürlich gesund sein sollte (Die Verschmutzung der Meere lass ich jetzt mal beiseite). Heute gabs wieder die Gelegenheit, Wildfang in der Gloriabar zu futtern: Schlemmer-Dorschfilet mit Kräuter-Tomatenkruste. Wildfang aus dem Nordatlantik. Doch was sagt der WWF dazu?

“Massiv überfischt, EU-Managementplan ohne Wirkung. Grundschleppnetze zerstören Meeresboden und verursachen hohen Beifang.“

Hmmm. Da wird also im grossen Stil ein vom Aussterben bedrohter Fisch in panierter Form an die User gebracht, welcher vom WWF klar als “nicht empfehlenswert” klassifiziert wird.

Dammit. Das ist ja so ziemlich die übelste Wahl die hier der SV Service getroffen hat. Gerade ein solcher Grossverteiler sollte hier besonderes Augenmerk darauf richten, was Nachfrageankurbelung bei den Fischproduzentenwilderern angeht. Da kann ich ja noch Jahrzehnte lang einheimischen Fisch konsumieren - ein solches Mittagessen im grossen Stil werd ich nie und nimmer kompensieren können.

Jetzt muss mir niemand kommen von wegen dann gibts halt gar keinen Fisch mehr. Es gibt noch genug empfehlenswerten Fisch. Den kann sich ein SV Service auch locker leisten - immerhin esse ich in der Gloriabar regelmässig die aufgewärmten Resten von Gestern - zum gleichen Preis wie am Vortag versteht sich.
Es ist auch nicht sonderlich tragisch, wenns nicht jeden zweiten Tag Fisch gibt. Wir leben in einem Süsswasserpiratenland, da ist Fisch eigentlich was Besonderes und sicherlich nicht die Regel.

Darum, werter SV Service, hier die Schlussfolgerung von vepi, meinem persönlichen Berater in allen Lebenslagen:

Als grosser Einkaeufer und Verpfleger von vielen Menschen sollten
insbesondere Sie auf einen nachhaltigen Einkauf ihrer Lebensmittel achten. Fisch esse ich gerne, aber nur solche, deren Fang oder Zucht nicht mit der Zerstoerung der ganzen Meeres einhergehen. Den meisten Leuten ist das egal, die nehmen, was man ihnen serviert. Deswegen liegt es an IHNEN, hier verantwortungsvoll zu handeln.

Nachtrag:

vepi hat den SV Service angeschrieben und hat auch ne Antwort bekommen. Offenbar handelte es sich nicht um einen Dorsch, sondern um ein Alaska Seelachs-Filet, welcher wiederum vom WWF als empfehlenswert eingestuft wird. Also ein Übersetzungsproblem mit der Deklaration:

“Beim Menuangebot von gestern handelt es sich um einen Übersetzungsfehler, dafür entschuldigen wir uns. Dieser Fehler ist entstanden, weil der Alaska-Seelachs zur Familie der Dorsche gehört und Dorsch mit Kabeljau gleichgesetzt wird.

Wir werden vermehrt dafür besorgt sein, dass Deklarationen korrekt übernommen werden. “